Wyoming

Was it a culture shock?

25. Juni

Nach so viel Natur und den schönen Seiten der USA war es mal wieder Zeit für ein bisschen kritische Auseinandersetzung mit der amerikanischen Kultur: wir wollten ein Rodeo besuchen. Vom Eagle Creek Campground ging es deshalb in die Stadt Cody (auch als „Rodeo Capitol of the World“ bezeichnet), wo im Sommer jeden Abend ein Rodeo veranstaltet wird. Cody wurde übrigens von William Frederick Cody, besser bekannt als Buffalo Bill, gegründet, der die Stadt dann auch gleich nach sich selbst benannte. Mit ihm begann wohl auch die Geschichte des Rodeo in Cody.

Blick auf Cody

Die Wartezeit bis zum abendlichen Spektakel verbrachten wir mit Kaffee trinken und Bloggen bei Rawhide Coffee. Um 19.00 Uhr ging es dann zum Stampede Park, wo um 20.00 Uhr das Rodeo offiziell beginnen sollte. Die Stunde vor Beginn konnten wir ein bisschen das Gelände erkunden und uns was zum Essen besorgen. Beim Smalltalk mit dem Verkäufer am Essensstand fragte dieser uns, ob es denn ein Kulturschock für uns gewesen wäre als wir in die USA kamen. Hätte er uns diese Frage am Ende des Abends gestellt, hätten wir sie wahrscheinlich mit einem klaren „Ja!“ beantwortet.

Eröffnet wurde das Rodeo mit einem Gebet, natürlich der Nationalhymne und dem Video „Why we stand“.

Danach folgten die verschiedenen Disziplinen. Ein paar wenige waren tatsächlich ganz spannend zu beobachten, z.B. das „Barrel Racing“, bei dem es darum geht, möglichst schnell um drei Tonnen herum zu reiten. Bei den meisten haben einem aber einfach nur die beteiligten Tiere leid getan. Am schlimmsten war das „Tie-Down Roping“. Dabei muss ein Cowboy möglichst schnell ein Kalb mit dem Lasso einfangen und dessen Beine zusammenbinden. Die Cowboys gehen da aber wirklich nicht zimperlich vor und pfeffern die Kälber ziemlich fest auf den Boden. Wenigstens gab es in dieser Disziplin nur zwei Teilnehmer, sodass es schnell vorbei war.

In den Pausen kam jeweils der Rodeo-Clown „Cookie“ zum Einsatz, der die Wartezeit bis zur nächsten Disziplin mit hauptsächlich bescheuerten Witzen füllte, die nicht selten ziemlich sexistisch waren oder gegen Biden gingen.

Ein weiterer Lückenfüller war der „Kids Calf Scramble“. Dazu wurden alle Kinder unter 12 Jahren auf’s Feld gerufen, wo kurz darauf zwei Kälber losgelassen wurden, die jeweils ein Tuch um ihren Schwanz gebunden hatten. Die Kinder sollten dann versuchen, die Tücher zu fangen. Wer als Erstes mit einem Tuch zu Cookie kam, hatte gewonnen. Zwei stolze Mädels gewannen das Spiel, aber die erste Reaktion von Cookie war nicht etwa Lob für die beiden, sondern „See that boys? You just got beaten by girls!“ – Ich hätte kotzen können…

Am Ende des Abends waren wir beide irgendwie angeekelt und hatten ein schlechtes Gewissen, dass wir diesen Verein mit unserem Eintritts- und Essensgeld unterstützt hatten. Wir wussten im Vorhinein natürlich, was grob auf uns zukommen würde. Bilder von Bullenreiten hat jeder schonmal gesehen. Dementsprechend sind wir auch mit gemischten Gefühlen und viel Skepsis in den Abend gestartet. Es ist auch wirklich nochmal etwas Anderes, das Ganze live zu sehen und vor allem die Stimmung drumherum zu erleben. Trotzdem dachten wir uns, wenn wir schon so viel Zeit in diesem Land verbringen, wollen wir auch seine verschiedenen Facetten kennenlernen und dazu gehört unter Anderem halt auch ein Roedeobesuch. Unser Fazit war allerdings eindeutig: einmal und nie wieder!

Beim Gehen musste ich mich noch bei den Kälbern entschuldigen

Weil wir nach dem Abend das dringende Bedürfnis hatten, möglichst schnell von Cody weg zu kommen und es in der näheren Umgebung auch keine guten Stellplätze gab, fuhren wir in der Nacht noch bis zum Hogan Raservoir in Montana, an dem wir auf einem BLM-Campground übernachteten. Auf dem Weg hatten wir am Straßenrand noch eine schöne und für den Abend irgendwie versöhnliche Begegnung:

Ein Kommentar

  • Max Haimerl

    Hallo Ihr Zwei…

    Leider gibt es solche Vorführungen… aber ich fand es sehr nett wie du dich bei den Kälbern entschuldigt hast ! Ich hab in Spanien schon einen Stierkampf angeschaut das ist viel schlimmer denn kein Stier verlässt lebend die Arena, wobei ich das Rodeo nicht verniedlichen will. Diesmal gibt es nicht mal mein übliches „Neid“ !!!! Aber wie du sagst ist gut sowas mal gesehen zu haben aber einmal und nie wieder !!

    Liebe Grüße
    Euer (Schwieger-) Papa Max

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